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PRESSEMITTEILUNG
30. Juli 2012
Internationaler Gedenktag der Sinti und Roma in Auschwitz am 2. August 2012
Zentralratsvorsitzender Rose wirft Behörden bewusstes Wegschauen beim Rechtsterrorismus vor – Antirassismus-Gipfel verlangt
Mit einer Delegation von 70 Personen – unter ihnen viele KZ-Überlebende – nimmt der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma an der Gedenkveranstaltung in Auschwitz/Oswiecim (Polen) zum 68. Jahrestag der Vernichtungsaktion durch die SS teil. Erwartet werden neben Delegationen von Roma-Organisationen aus vielen Staaten Europas Vertreter der polnischen Regierung und der Botschaften europäischer Staaten, der U.S.A. und Israels.
Die offizielle Gedenkfeier beginnt am Donnerstag, den 2. August 2011 um 11.00 Uhr im Abschnitt B II e in Auschwitz-Birkenau, dem sogenannten „Zigeunerlager“.
In seiner Ansprache in Auschwitz warf der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, den Behörden in Deutschland vor, bei der Mordserie der „NSU“-Rechtsterroristen habe es „viel zulange ein bewusstes Wegschauen gegeben“. Romani Rose erklärte: „ Es ist überfällig, dass auch die europäischen und die internationalen Regierungen offensiv gegen diese Bedrohung vorgehen. Der massive und gewaltbereite Rassismus gegenüber Sinti und Roma richtet sich direkt gegen unsere bestehende Demokratie. Diese Tatsache wurde in Deutschland und Europa jahrelang ausgeblendet und wird heute noch unterschätzt“. Der Zentralratsvorsitzende forderte eine weitere historische Aufarbeitung des Holocaust an den Sinti und Roma im besetzten Europa.
„Ich habe mich deshalb auch mit einem Schreiben an die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton gewandt und sie gebeten, im U.S. Holocaust Memorial Museum in Washington eine internationale Konferenz zum Völkermord an den Sinti und Roma Europas und zur Verantwortung in der Gegenwart zu veranstalten“, erklärte Rose bei der Gedenkfeier.
Anlässlich des diesjährigen Gedenkaktes wird auch Zoni Weisz, Holocaustüberlebender aus den Niederlanden, eine Ansprache halten. Er war der erste Sinto, der anlässlich des offiziellen Holocaust-Gedenktages im Bundestag am 27. Januar 2011 eine Ansprache im Bundestag gehalten hat.
Aufgrund von Himmlers „Auschwitz-Erlass“ vom 16. Dezember 1942 deportierte die SS 23000 Sinti und Roma familienweise aus elf Ländern Europas in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Am 2. August 1944 ermordete die SS in den Gaskammern von Auschwitz die letzten 2900 Sinti und Roma – Kinder, ihre Mütter und Alte. Unmittelbar zuvor selektierten die SS-Ärzte noch 3000 Sinti und Roma als „arbeitsfähig“ und man verschleppte sie als Sklavenarbeiter in andere Konzentrationslager. Im besetzten Europa wurden 500.000 Roma und Sinti Opfer des Holocaust.
Die Rede von Romani Rose ist im Wortlaut unter folgendem Link zu finden:
http://zentralrat.sintiundroma.de/content/downloads/aktuelles/20120802_Auschwitz.pdf
Jara Kehl (wiss. Mitarbeiterin)
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